Tagesspiegel: “Konkurrenz verdirbt das Geschäft”

Montag, 12. April 2010 18:28

Die Fusionspläne wurden zwar abgeschmettert, doch die Diskussion um die Zukunft der roc (Rundfunkorchester und Chöre GmbH) geht weiter. Hierzu ein lesenswerter Kommentar der aktuellen Probleme der Berliner Orchesterlandschaft sowie der Zukunftsperspektiven des DSO von Jörg Königsdorf im Tagesspiegel vom 9.4.2010:

“Das Ende ist fulminant. Kaum sind die gleißenden Schlussakkorde des „Feuervogels“ verklungen, hält es die Besucher der Warschauer Philharmonie nicht mehr auf ihren Plüschsitzen. Frenetisch feiern sie Ingo Metzmacher und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin für die ebenso klarsichtige wie atmosphärische Wiedergabe der heiklen Strawinsky-Partitur. Die beiden Konzerte beim Warschauer Beethovenfest sind der Schlusspunkt der Tournee, die das DSO in den vergangenen Wochen nach Brüssel, Paris und Wien geführt hat – das Hauptstück, Mahlers Siebte, werden Metzmacher und die Seinen im Sommer noch einmal bei den Londoner Proms spielen.

Solche Termine bedeuten viel im Ranking der europäischen Top-Orchester und zeigen gerade den Berliner Ensembles (daheim immer ein bisschen im Schatten der Philharmoniker), wo sie wirklich stehen. Und wenn einer Zweifel hätte, ob die Marke DSO außerhalb Berlins etwas gilt, dürften ihn diese Konzerte zum Schweigen bringen. Angesichts der musikalischen Harmonie, die das Orchester und sein Chef demonstrieren, käme niemand auf den Gedanken, dass ihnen etwas anderes bevorstehen könnte als eine glänzende Zukunft.

Und doch ist genau das Gegenteil …” –> Weiter zum Artikel im Tagesspiegel

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DSO: Orchesterfusion abgewendet

Donnerstag, 10. Dezember 2009 10:54

Liebe Freunde des Deutschen Symphonie-Orchesters,
der massive Protest war erfolgreich, der Eingliederung des DSO in einen andern Klangkörper wurde durch die Gesellschafter der Rundfunk Orchester und Chöre GmbH eine Absage erteilt – vor allem auch Dank ihrer zahlreichen Unterstützung, für die wir uns ganz herzlich bedanken!

Dear friends of Deutsches Symphonie-Orchester,
as a result of massive protesting the plans of merger were being rejected by the partners of Rundfunk Orchester und Chöre GmbH. We’d like to express our heartfelt gratitude to everyone who supported our claim.

Am 4.12.2009 drangen Pläne des Intendanten von Deutschlandradio Kultur, Dr. Willi Steul, an die Öffentlichkeit, die beiden unter dem Dach der roc berlin organisierten Orchester zu fusionieren. Die Zukunft des Deutschen Symphonie-Orchesters ist damit akut bedroht.

ENGLISH | On December 4, 2009 DeutschlandRadio Kultur’s intended merger of Deutsches Symphonie-Orchester with another orchestra was made public. The plan’s implementation would lead to a complete eradication of one of Germany’s most unique and innovative orchestras.

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Die Lehre aus der versuchten Orchesterfusion

Donnerstag, 10. Dezember 2009 8:58

Manuel Brug in der WELT vom 10. Dezember 2009

Gäbe es ein solches, “Kairos”, der “glückliche Moment” der Griechen, müsste zum kulturpolitischen Unwort des Jahres erklärt werden. Gebraucht wurde es von Willi Steul, dem neuen Intendanten des Deutschlandradios, um sein von langer Hand geplantes Massaker am Deutschen Symphonie Orchester Berlin (DSO) bildungsbürgerlich zu ummanteln. Denn weil dort der Chefdirigent Ingo Metzmacher von den Gesellschaftern der Dachorganisation Berliner Rundfunk Orchester und Chöre GmbH (ROC) in die Resignation getrieben wurde, hielt man jetzt den traditionsreichen Klangkörper für sturmreif. Am Dienstag sollte Steuls “Vorschlag” publik werden, Gefälligkeitsinterviews mit eingeweihten Journalisten waren schon geführt, genauso wie intern für die vier Gesellschafter die Sprachregelung für den wohl zu erwartenden Sturm bereits abgestimmt war. Und das im Wissen, dass gleichzeitig beim DSO die Chefdirigentenfrage nach dem Konzert von Tugan Sokhiev am Sonntag, einem der beiden Kandidaten, in die heiße Phase gehen würde. Am Donnerstag davor wurde freilich, was bisher als Gerücht kursierte, konkret, denn Steuls “Vorschlag” wurde von den vielen Beteiligten nicht mehr als Geheimsache gehandelt. Der Deutschlandradio-Intendant musste die Flucht nach vorne antreten. Und ist vier Tage später bereits grandios gescheitert.

Was von Steul als “Fusion zur Schaffung eines Exzellenzorchesters” mit dem Radio Sinfonieorchester Berlin (RSB) unter der Leitung von dessen offenbar willfährigem Chef Marek Janowski (der selbst nur eine sehr zahnlose Erklärung zur Sache veröffentlichte, während das RSB ganz still hielt) angekündigt wurde, ist jetzt also schon wieder Makulatur. Der Bund stellte sich öffentlich dagegen, ebenfalls das Land Berlin als dritter Gesellschafter. Und der rbb als undankbarer Vierter sagte erstmal gar nichts.

Dabei war eigentlich von Anfang an klar: die Torpedierung der ROC (und die damit wohl bald verbundene Auflösung) war von allen vier Beteiligten gewollt, nur die schmutzigen Hände, die hat sich jetzt der in dieser Hinsicht diskreditierte Steul geholt. Janowski saß spätestens seit sicher war, dass Bernd Neumann als Kulturminister im Amt bestätig bleibt, mit im Intrigenboot. Dann aber bekam Neumann, der letzten Donnerstag, bei der ersten Sitzung des Kulturausschusses im Bundestag noch gesagt hatte, bei der Kultur werde nicht gespart, ebenso schnell kalte Füße wie Klaus Wowereit, der die Berliner Opposition und große Teile der eigenen Fraktion gegen sich hatte. Die für gestern angesetzte Sondersitzung des Berliner Kulturausschusses wurde von den beiden Regierungsparteien abgesagt.

Dabei wäre noch einiges zu diskutieren gewesen, auch wenn seit Dienstag klar war, dass die Fusionsidee – wieder mal – vom Tisch ist. Es wird nämlich nicht die letzte bleiben. Und jedes Mal ist das Opfer ein anderer ROC-Klangkörper. Es gibt nämlich keine Berliner Orchesterkrise, noch nicht einmal eine Finanzkrise der ROC, die eben erst noch einmal sechs Millionen zusätzlich erhalten hat. Es gibt eine Legitimationskrise der vier Gesellschafter, von denen kaum einer zu diesem hybriden Gebilde stehen mag. Und interessanterweise wurde die jetzige Krise – zwanzig Jahre nach dem Mauerfall – auch nicht zu einer Ost-West-Abrechnung genutzt, sondern nur als erneuter Abwicklungsversuch verstanden.

Also sollten jetzt alle über eine Zeit nach der ROC nachdenken. So paradox es klingt – das Deutschlandradio will ja durchaus ein Orchester finanzieren, warum also nicht das RSB? Und das DSO würde unter dem Dach – der in dieser Hinsicht äußerst flexiblen – Berliner Festspiele und einem Intendanten Joachim Satorius verdeckt vom Bund finanziert, weil der direkt kein Orchester unterhalten darf. Der Rundfunkchor geht zur Stiftung Berliner Philharmoniker, den Rias Kammerchor übernimmt der rbb. Wäre so nicht allen geholfen?

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Große Erleichterung beim DSO über das gescheiterte Fusionsvorhaben

Mittwoch, 9. Dezember 2009 13:15

Pressemitteilung der Musikerinnen und Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin und ihres Chefdirigenten und Künstlerischen Leiters Ingo Metzmacher vom 9.12.2009

Große Erleichterung beim DSO über das gescheiterte Fusionsvorhaben
Die Musikerinnen und Musiker des DSO und Chefdirigent Ingo Metzmacher
begrüßen das Bekenntnis der Gesellschafter der roc berlin zum DSO

Die Musikerinnen und Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO) mit ihrem Chefdirigenten und Künstlerischen Leiter Ingo Metzmacher sind erleichtert, dass sich die Gesellschafter der Rundfunk Orchester und Chöre GmbH (roc berlin), insbesondere Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, so schnell und eindeutig zum Fortbestand der Ensembles der roc berlin und somit zur Bedeutung des DSO für die nationale und internationale Kulturlandschaft bekannt haben.

Das DSO und Ingo Metzmacher bedanken sich ausdrücklich für die breite Unterstützung der Öffentlichkeit und bei all denjenigen, die sich in dieser gefährlichen Situation mit größtem Engagement und mit Entschlossenheit für die Rettung des Orchesters eingesetzt haben.

Die Musikerinnen und Musiker des DSO sind sich trotz der Erleichterung über das gescheiterte Fusionsvorhaben gleichwohl der zukünftigen Herausforderungen zur dauerhaften Erhaltung und Sicherung der vier derzeit unter dem Dach der roc berlin organisierten Klangörper bewusst. Nach den für die Existenz des DSO bedrohenden Ereignissen der vergangenen Tage fordert Orchesterdirektor Alexander Steinbeis: »Jetzt gilt es, Überlegungen zur strukturellen Sicherung und Aufstellung der Ensembles der roc berlin anzustellen, die eine stabile Perspektive und den langfristigen Fortbestand der Chöre und Orchester ermöglichen. Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin ist bereit, die Zukunft aktiv mit zu gestalten und die dafür notwendigen Gespräche in aller Offenheit zu führen.«

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Erklärung der Betriebsräte von DSO und roc

Mittwoch, 9. Dezember 2009 12:02

Gemeinsame Erklärung der Vorsitzenden des Betriebsrats des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin und des Betriebsrats der Rundfunkklangkörper/Verwaltung in der roc berlin vom 9.12.2009

“Wir können die Zukunftspläne unserer Gesellschafter, von denen wir Ende letzter Woche aus der Presse erfahren haben, sowie die Art und Weise, wie diese [weiter lesen ...]

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PM des Rates für die Künste Berlin

Dienstag, 8. Dezember 2009 21:00

Pressemeldung des Rates für die Künste Berlin vom 8.12.2009, hier als PDF.

“Die durch die Intendanz des Deutschlandradios angedachte Fusion beider Orchester wäre ein beispielloser Kahlschlag in der Klassikszene! Das Deutsche Symphonieorchester und das Rundfunksinfonieorchester stehen für unterschiedliche Programmatik und [weiter lesen ...]

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“Orchester-Fusion ist vom Tisch”

Dienstag, 8. Dezember 2009 19:29

Die Fusion des Deutschen Symphonie-Orchesters (DSO) mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester (RSB) ist vom Tisch. Kulturstaatsminister Bernd Neumann … mehr bei rbb-online.

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Protestnote der Staatskapelle Berlin

Dienstag, 8. Dezember 2009 17:41

Protestnote der Staatskapelle Berlin vom 8.12.2009, hier als PDF.

“Wir sind entsetzt darüber, dass wieder einmal renommierte Berliner Spitzenorchester durch unausgegorene Fusionspläne existenziell bedroht werden. Das Verschwinden von DSO oder RSB als eigenständige Klangkörper würde eine irreparable Lücke [weiter lesen ...]

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Wild, laut, hemmungslos

Dienstag, 8. Dezember 2009 0:44

Das Deutsche Symphonie-Orchester und Berliner Abgeordnete wehren sich gegen die Fusionspläne

Peter Uehling in der BERLINER ZEITUNG vom 8.12.2009

Am Freitag wurde bekannt, dass das Deutsche Symphonie-Orchester und das Rundfunk-Sinfonieorchester nach den Plänen des Intendanten des Deutschlandradios, Willi Steul, zusammengeführt werden sollen. Schon am Sonntag konnte das DSO in der Philharmonie in einem wütend-leidenschaftlichen Konzert vorführen, dass diese Idee, um das mindeste zu sagen, ganz großer Mist ist. Unter Leitung Tugan Sokhievs, eines jungen, wilden ossetischen Dirigenten, [weiter lesen ...]

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“Wir kämpfen”

Dienstag, 8. Dezember 2009 0:34

Das Deutsche Symphonie-Orchester spielt gegen die Fusionspläne an

Jörg Königsdorf im TAGESSPIEGEL vom 8. Dezember 2009

Zu Anfang demonstriert das Publikum: Mit minutenlangem energischen Applaus feiert es in der ausverkauften Philharmonie die Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters, noch bevor der erste Ton erklungen ist. Denn allen im Saal ist klar, dass dies ein besonderer Abend ist – das erste Konzert, nachdem am Freitag der Plan bekannt wurde, das Orchester mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester zu fusionieren. Natürlich haben [weiter lesen ...]

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